Richtige Vertragsgestaltung beim Inkasso

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Wichtige rechtliche Faktoren beim Inkasso

Viele Menschen glauben, dass Inkasso sich im rechtsfreien Raum, beziehungsweise im Graubereich, bewegt. Natürlich ist dies nicht der Fall. Das genaue Gegenteil ist der Fall: unsere Inkassomitarbeiter müssen regelmässig Ausbildungen besuchen, die den rechtlichen und fachlichen Bereich abdecken, sodass sie immer up to date sind. Welche wichtigen, rechtlichen Faktoren im Inkasso vorherrschen, erklären wir in diesem Blogartikel.

Unbestritten oder nicht? Das ist hier die Frage

Ob ein Inkasso rechtlich einwandfrei betrieben werden kann, ist nicht immer ganz einfach zu beantworten. Es gibt einige Grundbedingungen, die erfüllt sein müssen, bevor ein Inkassobüro sich daran machen kann, eine ausstehende Summe von einem Schuldner einzutreiben. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass es sich um berechtigte und somit unbestrittene Forderungen handelt, welche eingetrieben werden sollen. Was heisst das? Es darf keinen Zweifel darüber geben, dass die ausstehende Summe zurecht eingefordert wird. Es könnte schliesslich sein, dass die Ware nicht vollständig geliefert oder das Service nicht zur Zufriedenheit des Kunden erbracht wurde und er deshalb von der Begleichung der offenen Rechnung absieht. In diesem Fall kann das Inkassobüro nicht eingreifen.

Wann ist eine Forderung unbestritten?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zu individuell sind die verschiedenen Angebote der Unternehmen. Entscheidend ist die Ausgestaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Als Inkassobüro sehen wir in unserer täglichen Arbeit immer wieder, wie wichtig die genaue Ausformulierung der Vertragserfüllung ist. Oftmals ist dieser Aspekt nämlich nicht genau genug behandelt und bietet massig Interpretationsspielraum. Wer jedoch klipp und klar darlegt, welche Faktoren und Leistungen für die Geschäftserfüllung erbracht werden müssen, ist in einer juristisch guten Position. Willigt der Käufer, beim Kauf in diese detailliert ausgeführten Geschäftsbedingungen ein, dann wird es im Nachhinein schwieriger für ihn, die erbrachte Leistung zu bestreiten. Aus unserer Perspektive des Inkassobüros macht es für Unternehmen sehr viel Sinn, an dieser Stelle Zeit und Energie zu investieren, da dieser Mehraufwand viele Probleme im Anschluss vermeiden kann. Denn rein rechtlich darf kein Inkassobüro einen Auftrag mit bestrittenen Forderungen übernehmen.

Rechtliche Grauzonen

Wie immer im Leben, ist nicht immer alles Schwarz oder Weiss. Vielleicht kennen Sie den Spruch: „Ohne Mahnung, kein Inkasso!“. Er besagt, dass Unternehmen kein Inkassobüro einschalten dürfen, ohne dass sie vorher Mahnungen an säumige Kunden geschickt haben. Dies ist jedoch kein rechtlicher Anspruch, sondern ein Wissen, welches aus der Praxis gewonnen wird. Stellen Sie sich vor, sie bestellen eine Ware bei einem Unternehmen und vergessen, die mitgeschickte Rechnung zu bezahlen. Wenn Ihnen nun das Unternehmen, nach Verstreichen der Zahlungsfrist, sofort ein Inkassobüro vorbeischickt, würden Sie sich als Kunde wundern und sich vor zukünftigen Geschäften mit dem Unternehmen hüten. Die Praxis zeigt, dass es wesentlich sinnvoller ist, dem säumigen Kunden eine Zahlungserinnerung zu schicken und, falls er diese auch ignoriert, ein Mahnschreiben zuzuschicken. Erst, nachdem auch das Mahnschreiben keinerlei Wirkung zeigt, sollte das Inkassobüro hinzugezogen werden oder ein Anwalt, der sich um das Eintreiben der Forderung kümmert. Alles andere schadet der Reputation des Unternehmens nachhaltig.

Gebühren und ihr rechtlicher Rahmen

Auch in der Vergebührung der Leistungen des Inkassobüros gibt es rechtlich einige Dinge zu beachten, aber leider gibt es eben auch Inkassobüros, die das Unwissen von Schuldnern ausnutzen, um sich zu bereichern. Rechtlich klar ist die Gebührenstruktur eines Inkassobüros, also welche Summen bei welchen Aufwänden gerechtfertigt sind. Diese müssen sich an Anwaltskosten in diesem Bereich orientieren. Hier wird von schwarzen Schafen der Branche sehr oft versucht, den einen oder anderen Extra-Euro herauszuholen vom Schuldner, indem ungerechtfertigte Gebühren verrechnet werden. Der Schuldner hat ein Recht auf eine transparente Darstellung der Gebührenstruktur. 

Was ist die konkrete Aufgabe des Inkassobüros?

Die konkrete Aufgabe eines Inkassobüros ist das schnellstmögliche Eintreiben offener Forderungen für seine Mandanten. Dabei ist das Inkassobüro auch berechtigt, den Schuldner auf die möglichen rechtlichen Folgen seines Zahlungsverzugs, wie etwa die gerichtliche Durchsetzung der Forderung und anschliessende Zwangsvollstreckung hinzuweisen. Klingt relativ eindeutig, ist es in der Praxis jedoch nicht. Hier wird zwar das „Was“ angesprochen, aber nicht das „Wie“. Dieses „Wie“ variiert von Inkassobüro zu Inkassobüro. Unseriöse Vertreter werden alles daransetzen, dem Schuldner zu drohen, um möglichst schnell an die ausstehenden Forderungen zu gelangen. Denn es macht sehr wohl einen Unterschied, ob jemand über die Gefahr der Zwangsvollstreckung informiert wird oder ob mit diesem Umstand gedroht wird, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Die Übergänge zwischen sachlicher Information und emotionaler Drohung sind oftmals fliessend und hängen vom Kontext und der Situation ab. Natürlich ist es rechtlich nicht in Ordnung, wenn Inkassobüros Schuldner erpressen oder bedrohen.

Fazit von Inkassolution

Inkasso bewegt sich keinesfalls im rechtsleeren Raum. Es gibt kaum eine andere Branche, die so viele gesetzliche Neuerungen beachten muss, um rechtlich einwandfrei zu agieren. Wie in jedem anderen Bereich auch, gibt es im Inkassowesen rechtliche Grauzonen, die so mancher Anbieter zu seinem eigenen Vorteil nutzen möchte. Schuldner tun gut daran, sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinander zu setzen und entsprechende Rückfragen zu stellen. Unternehmen, die Inkassobüros beauftragen, sollten sich genau über die rechtliche Handhabe innerhalb des zu beauftragenden Inkassobüros erkundigen. Werden Gebühren korrekt verrechnet? Wie sieht der Umgang mit Schuldnern aus? Man darf nämlich nicht vergessen, dass es sich noch immer um Kunden des Unternehmens handelt, mit denen das Inkassobüro kommuniziert. Je dubioser hier vorgegangen wird, womöglich in den Grauzonen des Rechts, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, den Schuldner für immer als Kunden zu verlieren. 

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